Mehr als 60 Prozent der Mitglieder von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) fühlen sich laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag der dena aus dem Oktober 2025 nur teilweise oder wenig über energetische Sanierungen informiert. 36 Prozent nennen Schwierigkeiten bei Entscheidungs- und Abstimmungsprozessen als eines der häufigsten Hemmnisse für Sanierungsvorhaben, obwohl 52 Prozent grundsätzlich befürworten, dass Gebäude für einen klimaneutralen Gebäudesektor saniert werden müssen. Die Zahlen zeigen: WEGs fehlt selten die Motivation zur Sanierung, sondern verständliche, zielgerichtete Kommunikation über Maßnahmen und Finanzierung. Genau hier setzt die Energieberatung an, wenn sie über die reine Fachanalyse hinausgeht und auch zwischen unterschiedlichen Interessen innerhalb der Eigentümergemeinschaft vermittelt, erklärt Jörg Wagner, Schornsteinfegermeister | Gebäudeenergieberater (HWK) aus Meckenheim (Pfalz).
Was Kommunikation in der WEG-Energieberatung leisten muss
WEGs umfassen rund 22 Prozent aller Wohnungen in Deutschland und gelten unter Energieberatern als eine der anspruchsvollsten Beratungssituationen. Anders als beim Einfamilienhaus entscheidet nicht eine einzelne Person, sondern eine Gemeinschaft mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten, unterschiedlichem Sanierungsinteresse und oft auch unterschiedlichem Vorwissen. Die Aufgabe der Energieberatung ist es deshalb nicht nur, den technischen Zustand des Gebäudes zu bewerten, sondern die Ergebnisse so aufzubereiten, dass sie für Laien nachvollziehbar sind und eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage schaffen.
Wie eine gut kommunizierte WEG-Sanierung abläuft
Der Prozess beginnt mit einem Erstgespräch, meist mit dem WEG-Verwalter oder dem Verwaltungsbeirat, in dem Auftrag und Erwartungen geklärt werden. Nach der Datenaufnahme am Gebäude folgt die Erstellung des individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP), der die technischen Ergebnisse in einen konkreten Maßnahmenplan übersetzt. Entscheidend ist der nächste Schritt: die Präsentation der Ergebnisse in der Eigentümerversammlung. Hier zeigt sich, ob Fachbegriffe verständlich übersetzt wurden und ob die Beteiligten nachvollziehen können, worüber sie abstimmen.
Seit der WEG-Reform 2020 können bauliche und energetische Maßnahmen unter bestimmten Voraussetzungen bereits mit einfacher Mehrheit beschlossen werden, was Entscheidungen grundsätzlich beschleunigen kann. Ob und wie das im Einzelfall greift, hängt von der jeweiligen Maßnahme und der Eigentumsstruktur ab, das ist Aufgabe der WEG-Verwaltung oder eines Fachanwalts, nicht der Energieberatung. Eine schnellere Abstimmung nützt aber wenig, wenn die Grundlage dafür unklar bleibt. Deshalb bleibt die verständliche Aufbereitung der Fakten vor der Versammlung der entscheidende Schritt.
Warum das gerade jetzt an Bedeutung gewinnt
Fördermittel wie der iSFP-Bonus oder die Heizungsförderung über KfW 458 sind an Fristen, Antragsreihenfolgen und sich ändernde Konditionen gebunden. Eine WEG, die sich über Jahre nicht auf eine gemeinsame Linie einigen kann, verliert dadurch nicht nur Zeit, sondern mitunter auch Förderchancen. Umgekehrt gilt: Sobald eine Eigentümergemeinschaft eine klare, verständliche Informationsgrundlage hat, beschleunigt sich die Entscheidungsfindung spürbar. Genau darin liegt der praktische Wert einer Energieberatung, die Kommunikation als Teil ihrer Aufgabe versteht und nicht nur als Nebeneffekt der fachlichen Arbeit.
Mehr zum konkreten Ablauf und zur Frage, wer bei einer WEG den Förderantrag stellt, steht im Artikel iSFP für Vermieter und WEG.
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Quellen
- dena – Großer Hebel, viel Informationsbedarf: Energetische Sanierung in WEGs — Pressemitteilung vom 13.11.2025, YouGov-Umfrage (522 Befragte, Oktober 2025)
- Gebäudeforum klimaneutral – Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg — WEG-Praxisguide der dena, Stand August 2026
- WEG – Wohnungseigentumsgesetz — Beschlussfassung und Mehrheitsverhältnisse
Hinweis: Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Aktualität. Rechtliche Fragen zur Beschlussfassung klärt die WEG-Verwaltung oder ein Fachanwalt.
Häufige Fragen zur Kommunikation in der Energieberatung
Warum ist Kommunikation bei der Energieberatung für WEGs besonders anspruchsvoll?
Weil nicht eine Einzelperson, sondern eine Gemeinschaft mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten und unterschiedlichem Sanierungsinteresse entscheidet. Die Energieberatung muss technische Ergebnisse so aufbereiten, dass sie für alle Beteiligten nachvollziehbar sind.
Wie gut fühlen sich WEG-Mitglieder über energetische Sanierungen informiert?
Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der dena von Oktober 2025 fühlen sich mehr als 60 Prozent der befragten Eigentümerinnen und Eigentümer nur teilweise oder wenig informiert. 36 Prozent nennen Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse als eines der häufigsten Sanierungshemmnisse.
Reicht für einen Sanierungsbeschluss in der WEG eine einfache Mehrheit?
Seit der WEG-Reform 2020 können bauliche und energetische Maßnahmen unter bestimmten Voraussetzungen mit einfacher Mehrheit beschlossen werden. Ob das im Einzelfall zutrifft, klärt die WEG-Verwaltung oder ein Fachanwalt.
Welche Rolle übernimmt der Energieberater in der Eigentümerversammlung?
Der Energieberater bereitet die technischen Ergebnisse des Sanierungsfahrplans verständlich auf und stellt sie in der Versammlung vor, damit die Eigentümergemeinschaft auf einer gemeinsamen, nachvollziehbaren Grundlage entscheiden kann.
Was ist der Unterschied zwischen dem iSFP und der Kommunikation in der Eigentümerversammlung?
Der iSFP ist das technische Planungsdokument mit Ist-Zustand, Maßnahmen und Förderoptionen. Die Kommunikation in der Versammlung überträgt diese Inhalte in eine für die Eigentümergemeinschaft verständliche und entscheidungsfähige Form.
Wo finde ich weiterführende Informationen zur Energieberatung für Vermieter und WEG?
Der Artikel iSFP für Vermieter und WEG erklärt den konkreten Ablauf, die Förderlogik und die Frage, wer in einer WEG den Förderantrag stellt.