Sommertag, Heißer Tag, Wüstentag – und jetzt der Gluttag. Während Deutschland diese Woche eine der intensivsten Hitzewellen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt, reicht die bisherige Wetterskala plötzlich nicht mehr aus. Meteorologen schlagen einen neuen Begriff für Temperaturen ab 40 Grad vor – ein Symptom dafür, wie schnell sich unser Klima verändert. Was das für Ihr Haus bedeutet und welche Maßnahmen jetzt sofort helfen, lesen Sie in diesem Artikel.
Die Klassifizierung warmer Tage in Deutschland war lange klar geregelt: Ab 25 Grad spricht man vom Sommertag, ab 30 Grad vom Heißen Tag, ab 35 Grad vom Wüstentag. Letzterer wurde erst vor wenigen Jahren überhaupt eingeführt – weil 35-Grad-Tage zunehmend häufiger auftraten. Jetzt, mit Wettermodellen, die für die aktuelle Hitzewelle bis zu 42 Grad berechnen, fehlt für die nächste Eskalationsstufe schlicht ein Wort. Der Wetterdienst wetter.net schlägt deshalb den Begriff „Gluttag“ für Temperaturen ab 40 Grad vor – als trockene, glühende Hitze im Unterschied zur feuchten Schwüle. Ob sich der Begriff durchsetzt, ist offen. Doch dass es ihn überhaupt braucht, zeigt deutlich: Die Häufigkeit echter Extremtemperaturen hat eine neue Dimension erreicht.
Wer glaubt, es handle sich nur um einen ungewöhnlich heißen Einzelsommer, irrt. Die Datenlage von Deutschem Wetterdienst (DWD) und Statista ist eindeutig:
Diese Entwicklung ist nicht nur ein Wetterphänomen, sondern eine bauliche Realität. Häuser, die vor 20 oder 30 Jahren geplant wurden, sind in aller Regel nicht für solche Temperaturen ausgelegt. Was früher die Ausnahme war, wird zur Regel – und genau deshalb lohnt sich jetzt ein Blick auf den eigenen sommerlichen Wärmeschutz.
Drei Faktoren sind für die Überhitzung von Wohnräumen verantwortlich:
Innenraumtemperaturen über 25 bis 27 Grad gelten als gesundheitlich belastend – sie mindern nachweislich Konzentrationsfähigkeit und Schlafqualität. Genau hier setzt der sommerliche Wärmeschutz an.
Bevor es um bauliche Maßnahmen geht: Diese Verhaltensänderungen wirken sofort und kosten nichts.
Wer dauerhaft etwas verändern möchte, kommt an baulichen Maßnahmen nicht vorbei. Aus über 30 Jahren Erfahrung mit Renovierung und energetischer Sanierung – auch an eigenen Objekten – sind das die wirksamsten:
Rollläden, Außenjalousien (Raffstores) und Markisen sind die wirkungsvollste Einzelmaßnahme. Sie verhindern, dass die Wärme überhaupt erst auf die Fensterscheibe trifft. Untersuchungen zeigen, dass außenliegender Sonnenschutz den solaren Wärmeeintrag um 60 bis 80 Prozent reduzieren kann. Innenliegende Lösungen wirken dagegen erst, wenn die Wärme bereits im Raum ist – und sind deutlich weniger effektiv.
Eine vergleichsweise kostengünstige Lösung für Bestandsfenster, bei denen ein vollständiger Austausch (noch) nicht ansteht.
Spezielle Sonnenschutzverglasungen reduzieren die Energiedurchlässigkeit deutlich, ohne dass der Raum dunkel wirkt. Während normale Wärmeschutzverglasung einen g-Wert von etwa 0,65 bis 0,72 hat, sind bei Sonnenschutzverglasung Werte bis 0,20 möglich – das bedeutet, nur noch ein Bruchteil der Sonnenenergie gelangt überhaupt ins Gebäude.
Bietet natürlichen Hitzeschutz im Sommer und reduziert gleichzeitig Wärmeverluste im Winter – eine Maßnahme mit Doppelnutzen, die allerdings fachkundige Planung erfordert.
Wer ohnehin eine Sanierung plant, sollte sommerlichen Wärmeschutz von Anfang an mitdenken – nicht als nachträgliche Reaktion auf einen heißen Sommer, sondern als festen Bestandteil der Planung. Die bewährte Reihenfolge bleibt dabei entscheidend: Dach und Dachboden zuerst, dann Fenster und Türen, erst danach die Außenwanddämmung.
Eine Klimaanlage erscheint vielen als naheliegendste Lösung – ist es aber häufig nicht. Mobile Klimageräte geben einen Teil ihrer Abwärme direkt in den Raum ab, was die Kühlwirkung relativiert. Fest installierte Split-Geräte sind effektiver, verbrauchen aber dauerhaft Strom und sind in vielen Fällen genehmigungspflichtig – etwa bei Eigentumswohnungen, wo die Fassade Gemeinschaftseigentum ist. Eine fachlich fundierte Empfehlung lautet daher: Erst die passiven Maßnahmen ausschöpfen, aktive Kühltechnik erst dort einsetzen, wo bauliche Lösungen tatsächlich nicht ausreichen.
Was viele nicht wissen: Auch Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz werden im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) gefördert. Das betrifft insbesondere außenliegende Sonnenschutzeinrichtungen mit optimierter Steuerung, etwa automatisierte Raffstore- oder Markisensysteme.
Gerade der iSFP-Bonus wird in der Praxis häufig übersehen. Wer ohnehin einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen lässt, sollte sommerlichen Wärmeschutz von vornherein mit einplanen – das senkt die Investitionskosten spürbar.
Ob sich der Begriff „Gluttag“ durchsetzt oder nicht – die zugrunde liegende Entwicklung ist real und durch Daten von DWD und Statista eindeutig belegt. Häuser, die heute nicht auf zunehmende Hitzeperioden vorbereitet sind, werden in den kommenden Jahren spürbar an Wohnqualität verlieren. Die gute Nachricht: Viele Maßnahmen wirken sofort, kosten nichts, und für die baulichen Lösungen gibt es attraktive Förderungen, die zu selten genutzt werden.
Quellen: Deutscher Wetterdienst (DWD), Statista (Stand: Juni 2026), Umweltbundesamt – Trends der Lufttemperatur